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1825–1898

König Etzel's Schwert.

Conrad Ferdinand Meyer

Der Kaiser spricht zu Ritter Hug: „du hast für mich dein Schwert verspellt, Des Eisens ist bei mir genug, Geh, wähl' dir eins, das dir gefällt!“

Hug schreitet durch den Waffensaal, Wo stets der graue Schaffner sitzt. „der Kaiser giebt mir freie Wahl Aus Allem was da hangt und blitzt!“

Er prüft und wägt. Von ihrem Ort Langt er die Schwerter mannigfalt — „sprich, wessen ist das große dort, Gewaltig, heidnisch, ungestalt?“

„des Würgers Etzel!“ flüstert scheu Der Graue, der es hält in Hut. „des Hunnenkönigs! Meiner Treu, So lechzt und dürstet es nach Blut!“

„laß ruhn. Es hat genug gewürgt! Die todte Wuth erwecke nicht!“ „gieb her! Dem ist der Sieg verbürgt, Der mit dem Schwert des Hunnen ficht!“

Und wieder sprengt er in den Kampf. „du hast dich lange nicht geletzt, Schwert Etzel's, an des Blutes Dampf! Drum freue dich und trinke jetzt!“

Er schwingt es weit, er mäht und mäht Und Etzel's Schwert, es schwelgt und trinkt, Bis müd die Sonne niedergeht Und hinter rothe Wolken sinkt.

Als längst er schon im Mondlicht braust, Wird ihm der Arm vom Schlagen matt. Er frägt das Schwert in seiner Faust: „schwert Etzel's, bist noch nicht du satt?

Laß ab! Heut ist genug gethan!“ Doch weh, es weiß von keiner Rast, Es hebt ein neues Morden an Und trifft und frißt was es erfaßt.

„laß ab!“ Es zuckt in grauser Lust, Der Ritter stürzt mit seinem Pferd Und jubelnd sticht ihn durch die Brust Des Hunnen unersättlich Schwert.

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