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1860

Galaswinte

Conrad Ferdinand Meyer

Im Saale jubelt Hochzeit – Die Arme vor dem Busen Kreuzt Fredegund in Demut, Des Königs list'ge Buhlin:

„Ich bin die Magd und leuchte Dem Bräutchen auf die Kammer!“ Die Alabasterampel Mit römischen Skulpturen,

Die schwebend einst geschimmert In stillem Grabesdunkel, Trägt Fredegund in Demut Und hellt die Hochzeitskammer,

Sie setzt die Ampel nieder Und geht und lächelt tückisch. Die zarte Galaswinte Blickt in die wehnde Flamme,

Die Flamme loht und flackert, Die Ampel springt in Scherben, Die Fürstin weint im Dunkel: „Die mich gebracht aus Spanien,

Dein Kind dem Frankenkönig, Jetzt drehst du auf dem Rosse Im Schein der Wanderfackel Noch einmal dich und breitest

Nach mir die Arme, Mutter!“

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