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1825–1898

Frau Agnes und ihre Nonnen.

Conrad Ferdinand Meyer

Ein Klosterhof, ein Lenzestag! Ein schwarzer Lindenschatten, Wo der gekrönte Habsburg lag Erstochen auf den Matten.

Frau Agnes, die gestrenge Frau, Des Vaters Blut zu rächen, Rief mordend aus: „Ich bad' in Thau!“ Und schritt in rothen Bächen.

Sie freute sich in warmes Blut Die Knöchel einzutauchen, Sie warf in stille Dörfer Glut, Sie ließ die Burgen rauchen.

Nachdem Gericht gehalten war, Vollbracht die Todtenfeier, Verbarg sie das Medusenhaar Mit einem Nonnenschleier.

Sie schuf ein Kloster, wo hervor Aus Grüften Geister schweben, Sie füllt' mit Blumen an den Chor, Mit lauter jungem Leben:

Sie raubt das krause Blondgelock Manch einem Edelkinde, Beschert ihm einen schwarzen Rock Und eine blanke Binde.

Sie geißelt sich den weißen Leib, Bis rothe Tropfen rinnen, Sie will, das unbarmherz'ge Weib, Den zarten Heiland minnen.

Dort sitzt sie unter Lindennacht Am kühlen Klosterbronnen, Sie hat die Bibel mitgebracht Zur Andacht ihrer Nonnen.

Am Gatter lauschen Kinder scheu Mit frischgepflückten Veilchen, Ein Weiblein hinkt mit Holz vorbei, Bückt tief sich vor der Heil'gen.

Dem jüngsten Nönnchen giebt das Buch Sie jetzt, der lieblich Bleichen: „wir blieben bei Sankt Pauli Spruch. Sieh her! Da steckt das Zeichen!“

Die Zarte, die das Buch empfing, Beschaut Sankt Paulum denkend. Sie liest. Ihr lauscht der Schwestern Ring, Die Wimper züchtig senkend —

„was frommte mir die Fastenzeit, Was frommten Geißelhiebe, Was frommt' es, trüg' ich hären Kleid, Und mangelte der Liebe?“

Da hebt ein Seufzer manche Brust Im Nonnenrock erbaulich Und manche kecke Lebenslust Blickt traurig und beschaulich ...

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