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1876

Ein Lied Chastelards

Conrad Ferdinand Meyer

Sehnsucht ist Qual! Der Herrin wag ich's nicht zu sagen, Ich will's den dunkeln Eichen klagen Im grünen Tal:

Sehnsucht ist Qual. Mein Leib vergeht Wie schmelzend Eis in bleichen Farben, Sie sieht mich dursten, lechzen, darben,

Bleibt unerfleht – Mein Leib vergeht. Doch mag es sein, Daß sie an ihrer Macht sich weide!

Ergetzt sie grausam sich an meinem Leide, So denkt sie mein – Drum mag es sein. Sehnsucht ist Qual!

Dem Kühnsten macht die Folter bange, Ein Grab, darin ich nichts verlange, Gib mir, o Tal! Sehnsucht ist Qual.

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