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1866

Die Zwingburg

Conrad Ferdinand Meyer

Gebrochen ist der alte Twing, Ringsum ergrünt sein Mauerring, Der Eppich schwankt im Fenster, Versunken in der Erde Schoß

Tief unter das besonnte Moos Sind Ritter und Gespenster. Wo durch das tiefgewölbte Tor Die zorn'ge Fehde schritt hervor

Und ließ die Hörner schmettern, Da hat sich, duftig eingeengt, Ein Zicklein ans Gesträuch gehängt Und nascht von jungen Blättern.

Wo wildverträumt Frau Minne stund, Zerrann auf blauem Himmelsgrund Der kecke Bau des Erkers; Wo im Verlies der Haß gegrollt,

Ist in das weiche Gras gerollt Ein Quaderstein des Kerkers. Und wo den Teich vom Hügelhang Herab die trotz'ge Feste zwang

Ein finster Bild zu spiegeln, Da rudert, von der Flut benetzt, Der Burg zerstörtes Wappen jetzt: Ein Schwan mit Silberflügeln.

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