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1825–1898

Die Seitenwunde.

Conrad Ferdinand Meyer

Ueber ihre Thore statt der Muse Meißeln die Baglioni die Meduse Und an ihren grausen Hochzeitsfesten Kämpft der Bräutigam mit seinen Gästen.

Heute liegen wieder sie wie Garben: Blutsgenossen, die sich würgend starben! Wo des Bruderhasses Fackel brannte, Sucht das Kind und findet's Atalante.

Niederstarrend, auf das Knie gesunken, Hebt des Sohnes Haupt sie jammertrunken, Drüber hebt sie die geballte Rechte, Daß sie fluche diesem Mordgeschlechte ...

Ihrem Knaben steht die Seite offen, Wo der Speer Longin's den Herrn getroffen, Ihres Knaben Haupt, ein blondes ist es, Wie das dorngekrönte Haupt des Christes ...

Wie des Christes Haupt ist's ein erbleichtes, Auf die Schulter friedevoll geneigtes, Haß und Fluch erlischt auf ihrem Munde, Sie verehrt die heil'ge Seitenwunde ...

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