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1861

Die Schule des Silen

Conrad Ferdinand Meyer

In der schattendunkeln Laube gab Silen, der weise, Stunde, Der ihm weich ans Knie geschmiegte Bacchus hing an seinem Munde, Lieblich lauschend. Unter seinem krausen Barte lachte schelmisch der Ergraute,

Da er in das milde Feuer junger Götteraugen schaute, Dann begann er: „Kind, betrachte dieses Antlitz, die gedankenschweren Lider! Kind, in jedem greisen Zecher ehre du die Züge wieder

Deines Lehrers. Oft, wo die Veliten wankten, jene prahlerischen Knaben, Sind es die Triarier, Liebling, die das Feld behauptet haben Unerschüttert!

Wenn auf Chios mit dem Mädchen teilt den Becher der Ephebe, Laß sie nippen, laß sie kosen – mit der vollsten Schale schwebe Du vorüber. Lenke deine götterleichten Schritte zu Homer, dem alten,

Netze seine heil'gen Lippen, glätte seiner Stirne Falten, Wundertäter! Lös ihm jeder Erdenschwere Fessel mit der Hand, der milden, Fülle du des Blinden Auge mit unsterblichen Gebilden,

Ewigschönen!“

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