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1825–1898

Die Gedanken des Königs Ren é .

Conrad Ferdinand Meyer

Der fromme Lautenschläger Herr Ren Trug braune Locken — sie sind weiß wie Schnee. An seiner Stirn verglomm der Kronen Glanz, Da haftet nichts als nur ein Lorbeerkranz.

Schloß Tarascon — er bietet's zum Verkauf — Dran spritzt die blaue Rhone scherzend auf, Von hoher Warte wandert rings der Blick Der König wägt als Denker sein Geschick:

„s'ist eigen daß man immer mich vertreibt! S'ist eigen daß mir nichts in Händen bleibt! Lothringen erbt' ich, wo die Trift sich sonnt, Das nahm mir weg Anton von Vaudemont.

Dann erbt' ich flugs das Fürstenthum Anjou Und noch das nette Ländlein Bar dazu — Herr König Ludwig trat in mein Gelaß Als Gast und schrieb mir meinen Wanderpaß.

Reich Napel war's, das dann zu Erb mir fiel, Dort mischte sich der Aragon ins Spiel — Das schöne Napel! Richtig werd' ich schlemm! Mir bleibt das himmlische Jerusalem!

Da schimmert unvergänglich Dach und Fach — Ich erb' es schon. Das Erben ist mein Sach! Doch geht mein Sach, wie hier, so droben dort, Jagt aus dem Himmel mich der Teufel fort.“

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