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1825–1898

Die Gaukler.

Conrad Ferdinand Meyer

Am Strande des gelobten Lands In glühem Stich des Sonnenbrands Kämpft Ludowig der Fromme; Er trägt in sich des Todes Keim,

Ihm ahnt es, daß er nimmer heim Ins schöne Frankreich komme. Scheu lauscht in Zeltes Dämmerschein Ein junger Edelknecht herein

Und hinter ihm die andern: „herr König, es sind Gaukler da, Drei Brüder aus Armenia, Die nach dem Grabe wandern.

Es heißt, sie spielen wunderschön! Erlaubt ein frisches Horngetön Uns allen anzuhören!“ Der König seufzt: „Betrug der Welt!

Bringt mir die Gaukler in das Zelt, Daß sie euch nicht bethören!“ Jetzt heben an den Mund die Drei Das Horn und spielen frank und frei,

Als ging' es aus zum Jagen. Dann wie ein Quell im Walde quillt, So rieselt sanft und wächst und schwillt Ein Jubeln und ein Klagen.

Gemach vertönt der Hörner Schall, Laut ruft Renaud von Reineval: „du Herzenstrost der Minne! Lucinden, die sich um mich kränkt,

In Treuen ihres Pilgers denkt, Sah ich auf stiller Zinne!“ „ich schaute“, fällt jung Walter ein, „in meinem Teich den Wiederschein

Von Eichen kühl und düster, Ich sah mein Boot, der Ruder bar, Das halb ans Land gezogen war, Umneigt von Schilfgeflüster!“

Ein Jeder hat im Horneslaut Sein Herz belauscht, sein Lieb geschaut, Sein Minnen und sein Sehnen. — „Herr König, sagt, was sinnet Ihr?

Was sehnet Ihr? Was minnet Ihr? Was rinnen Euch die Thränen?“ Herr Ludwig flüstert: „Sel'ger Traum! Mich hoben durch den Himmelsraum

Angelische Gestalten. „getreuer Knecht, willkomm!“ erscholl Ein Ruf — ich konnte wonnevoll Die Thränen nicht verhalten.“

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