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1825–1898

Die Ampel.

Conrad Ferdinand Meyer

An des Jahres Wende sprach ich: Muse, Keiner Mutter Hand bescheert mich! Gieb mir Du mein Angebinde, Muse! fleht' ich. In die Kammer lauschend von dem Lager,

Sah ich bald der Schwestern eine schreiten. Auf mein Tischchen setzt' sie einer Ampel Zarte Form mit schlankgeschweiften Henkeln, Aber die mir keineswegs antik schien.

Ich erschrack. Was meinst Du, Muse? Räthst Du Nächtlich auszufeilen meine Verse? Schon entschwebend wandte sie das Antlitz Halb. Ich sah des Musenhauptes edeln

Umriß mit den spottend feinen Lippen ... Als ich dann in neuem Jahr erwachte, Keine Ampel! Doch ich fand sie wieder — Und erkannte gleich sie an der zarten

Form und an den schlankgeschweiften Henkeln — In des Liebchens Hand, das mir die Treppe Nächtlich hellt mit stillen Ampelstrahlen. Scheidend auf die letzte Stufe setzt' sie

Das Geschenk der Muse sacht und küßt' mich.

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