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1861

Der sterbende Cromwell

Conrad Ferdinand Meyer

Vor der Königsburg in nächt'ger Stunde Knickt der Tod die Eichen in die Runde, Drinnen sucht er dann ein zäher Leben Aus den Wurzeln allgemach zu heben –

Whitehall ist Cromwells Sterbestätte, Ein Waldenser kniet an seinem Bette! „Herr, ich komm, ein Kind des welschen Tales, Wo du bist der Schutzgott jedes Mahles,

Unsern Dank auf deine Knie zu legen, Leben, Cromwell, mußt du unsertwegen! Rom befehdet uns mit seinen Pfaffen, Unser Herzog rüstet frevle Waffen

Gegen unser Tal, den lautern Glauben Will er oder uns das Leben rauben! Doch du sahst in deinen Schmerzensnächten Uns gefoltert schon von Henkersknechten

Und du hobest dich in Fieberschwüle, Auf den Arm gestützt, empor vom Pfühle Und du drohtest, über Meer gewendet – Pfaffen, Henker blieben ungesendet.

Wenn wir, Cromwell, deine Söhne wären, Herber könnten wir dich nicht entbehren! Deine bangen Atemzüge geben Uns den Odem, fristen uns das Leben.

Dennoch – wie du leidest, Herr – unsäglich – Deine Qualen werden unerträglich? Dennoch – ob uns Hartes sei beschieden – Friedestifter, fahre hin in Frieden!“

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