Skip to content
1866

Der Lieblingsbaum

Conrad Ferdinand Meyer

Den ich pflanzte, junger Baum, Dessen Wuchs mich freute, Zähl ich deine Lenze, kaum Sind es zwanzig heute.

Oft im Geist ergötzt es mich, Über mir im Blauen, Schlankes Astgebilde, dich Mächtig auszubauen.

Lichtdurchwirkten Schatten nur Legst du auf die Matten, Eh du dunkel deckst die Flur, Bin ich selbst ein Schatten.

Aber haschen soll mich nicht Stygisches Gesinde, Weichen werd ich aus dem Licht Unter deine Rinde.

Frische Säfte rieseln laut, Rieseln durch die Stille. Um mich, in mir webt und baut Ew'ger Lebenswille.

Halb bewußt und halb im Traum Über mir im Lichten Werd ich, mein geliebter Baum, Dich zu Ende dichten.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Lieblingsbaum · Conrad Ferdinand Meyer · Poetry Cove