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1825–1898

Der Blutstropfen.

Conrad Ferdinand Meyer

Zur Zeit der Lese war's im Winzerhaus Des Herdes goldne Flamme prasselte, Die Fensterscheiben überhauchten sich Und draußen scholl das Evoë geisterhaft

Aus Nebeldämmer. Becher klangen. Jung Und Alt empfand die bacchische Gewalt. Mit einem zarten Schimmer röteten Selbst ihr die Wangen sich, die unser Gast

Und dieser Erde Gast nicht lange war, Ein stilles, scheues, ungezähmtes Kind. Zum Reigen rief Lyaeus. Jene schlich Sich weg. Ins Freie blickte sie hinaus

Durchs Fenster. Dann beschrieb sie träumerisch, Die ganz sich unbeachtet Wähnende, Die Scheibe mit dem Finger. Weh! umstellt, Belauert wurde sie von einem Schwarm

Und überfallen. Rasch in Trümmer schlug, Das Antlitz glutbedeckt, die Scheibe sie, Sich selbst verwundend. Dieses Tüchlein hier, Das als Reliquie mir im Schreine liegt,

Fing, über die verletzte Hand gelegt, Das Quellen eines Tropfen Blutes auf, Der warm ihr eben erst im Herzen rann. Jung schwand sie hin, und kein Lebend'ger weiß,

Was dort geschrieben auf der Scheibe stand — Als dieser bleiche Tropfen Bluts vielleicht.

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