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1825–1898

Das Strandkloster.

Conrad Ferdinand Meyer

Bollwerk und Mauer trutzen Dem Wellenwurf schon ein Jahrtausend ja, Wir singen, elf Capuzen, Ein kräftig schallend Deo gloria!

Die Kutten, stark gewoben, Umhingen uns in braunen Lappen lang, Sie sind gemach verstoben, Die Stäubchen irrten durch den Klostergang.

Die Orgel im Empore Spielt unser zwölftes todtes Brüderlein, Hier rieselt uns im Chore Der morsche Kalk sanft ins Geripp herein.

Es glitt vor tausend Jahren Dem Strand ein Sarazenensegel nah, Sobald's vorbeigefahren, Anstimmten wir ein kräftig Gloria.

Ergötzt von unserm Singen, Nahm der Pirat zu uns zurück den Lauf, Zwölf Köpfe ließ er springen, Das Blut schoß wie aus Brunnenröhren auf.

Wir singen ohne Kehlen, Wir sitzen fröhlich ohne Schädel da, Wir singen mit den Seelen Ein kräftig schallend Deo gloria!

Der Morgenstrahl, der schiefe, Durchs rechte Fenster äugelt er herein, Vergoldend in der Tiefe Ein lustiglich psallierend Todtenbein.

Der Abendstrahl, der schräge, Durchs linke Fenster blinzelt er herein, Und zählt, ob allerwege Wir richtig unser elf Gespenster sei'n.

Oft übertäubt das Dröhnen Des Meers die Noten unsrer Litanei, Aus unsern Orgeltönen Erhebt sich oft ein schriller Möwenschrei —

Bollwerk und Mauer trutzen Dem Wellenwurf noch tausend Jahre ja, Wir singen, elf Capuzen, Ein kräftig schallend Deo gloria!

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