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1825–1898

Conquistadores.

Conrad Ferdinand Meyer

Zwei edle Spanier halten Wacht Und einer spricht zum andern: „señor, mir däucht, der Teufel lacht, Wie wir ins Leere wandern!

Das Segel rauscht, es rauscht der Kiel, Noch keines Strandes Boten — Die Hölle treibt mit uns ihr Spiel, Wir wandern zu den Todten!

Wer einem Genuesen traut, Hat den Verstand verloren! Die Klugen hat er schlecht erbaut, Doch lockt er alle Thoren —

Rund sei die Erde, log er mir, Wie Pomeranzenbälle, Doch unermeßlich fluthet hier Nur Welle hinter Welle!“

Der Andre blickt ins Meer hinaus Und runzelt finstre Brauen: „señor, mich zog Columb ins Haus, Ließ mich die Karten schauen,

Was er docirt', verstand ich nicht, Ich ließ es alles gelten — Sein übermächtig Angesicht Verhieß mir neue Welten!

Betrog er sich und haben wir Uns in das Nichts verlaufen, Ein räud'ger Hund, Seor, wie Ihr Darf fröhlich mit ersaufen!“

— „Seor, da betet Ihr nicht gut! Zurück Euch in den Rachen Den räud'gen Hund! Ihr raucht von Blut Und Ihr entsprangt den Wachen!“

„seor, ich dolcht' ein falsches Weib, Bekenn' ich unverhohlen! Nicht hab' dem Bäcker einen Laib Vom Bret ich weggestohlen!

Seor, Ihr seid ein Galgenstrick!“ — „Seor, Ihr seid nicht besser!“ Sie ziehen mit entflammtem Blick Und kreuzen blanke Messer ...

Da zwischen ihre Messer walzt In tollem Freudensprunge, Mit ölgetränkten Fingern schnalzt Miguel, der Küchenjunge.

Er drückt die Lider blinzelnd ein Mit schlauem Wimperzwinken, Bald hüpft er auf dem rechten Bein, Bald hopst er auf dem linken,

In Lüften bläht sich sein Gewand, Es puffen ihm die Hosen — Neugierig kommen hergerannt Soldaten und Matrosen.

Der Junge redet kunterbunt, Als ob's im Kopf ihm fehle, Dann öffnet er den großen Mund Und singt aus voller Kehle:

„das Heimchen zirpt, das Heimchen zirpt, Stimmt Laudes an und Psalmen! Und wenn's mir nicht vor Freude stirbt, Bald weidet's unter Halmen!

Ich schwör' es Euch bei Gottes Haupt: Es athmet duft'ge Weiden, Es wittert Wälder dichtbelaubt Und unermessne Haiden!

Erlauchte Herren, gebet Acht, In meinem engen Räumchen Hat unsre Meerfahrt mitgemacht Ein andalusisch Heimchen —

Mitnahm ich's aus dem Vaterland, Mich scheidend zu beschenken, Ich fing's mit flinkem Griff der Hand Zu einem Angedenken.

Da wir zu Schiffe stiegen dort, Die Zierden aller Lande, Zirpt' Heimchen mir im Busen fort, Als weidet's noch am Strande.

Das grüne Vorgebirg verschwand, Dem Heimchen ward es schaurig, Beklommen saß es an der Wand Und wurde faul und traurig.

So darbt's und dämmert's langezeit, Schon gab ich es verloren, Und nun, bei meiner Seligkeit, Ist Heimchen neu geboren!

Bedenkt, es hockte gram und lahm An Dielen und an Wänden, Jetzt jubelt's wie ein Bräutigam Und kann nur gar nicht enden!“

Miguel ist fort und wieder da, Die Fingerspitze zeigend: Da sitzt es ja! da singt es ja! Die Männer lauschen schweigend —

Dann sinnen sie der Sache nach, Den Lustgesang im Ohre, Sie schütteln sich die Hände jach Und schrei'n in wildem Chore:

„das Heimchen zirpt! Das Heimchen zirpt! Bald schwelgen wir in Beute! Wer spielt, gewinnt! Wer wagt, erwirbt! Wir sind gemachte Leute!

Die Küste winkt! Das Gold erblinkt, Davon die Sagen melden! Das Morgen steigt! Das Gestern sinkt! Wir sind berühmte Helden!“

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