Skip to content
1789

Nänie

Friedrich von Matthisson

Medor starb! Amandas Thränen rinnen! Ach! ihr Staar, ihr Liebling ist dahin! Weint, ihr Amorn und ihr Huldgöttinnen! Anadyomene, wein' um ihn!

Medor starb, ein Raub der Morgenröthe! Kurz war seines Daseyns leichter Traum; Ach! den Zweig, der seine Wieg' umwehte, Malte des Novembers Purpur kaum.

Seid' und Gold war seiner Tage Faden, Einer Göttin Liebe zog ihn groß; Wie den Trauten ihre Thränen baden! Thränen wie einst Lesbia vergoß.

Unbekränzt ergießt um sein Gefieder Sich das Haar der schönen Dulderin; Traurig tönt der Harfe Nachhall wieder: Medor, mein Entzücken, ist dahin!

Phantasie! mit deinem Rosenglanze Helle zauberisch der Wehmuth Flor, Und am nächtlichen Zypressenkranze Sproß' ein blühend Mirthenreis empor.

Schlummr', o Medor, im Platanenhaine Wo der Wiesenbach vom Felsen schäumt; Dein gedenk' Amanda noch und weine Wann der Gruft schon dunkles Moos entkeimt.

Die so früh zu Lethes Ufern schweben Sahn die Flur nie öd' und blumenleer: Glücklicher! im Lenz begann dein Leben, Da der Winter naht bist du nicht mehr.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Nänie · Friedrich von Matthisson · Poetry Cove