Skip to content
1789

Das Todtenopfer

Friedrich von Matthisson

Die Berge stehn so düster, Von Nebeldunst umflort; Durch banges Rohrgeflüster Rinnt schwach das Bächlein fort;

Ein fernes Hirtenfeuer, Am grauen Fichtenhain, Hellt matt der Dämmrung Schleyer, Wie Leichenfackel-Schein.

Aus Warten und aus Klüften Fleugt scheu die Eul' empor; Es gehn aus ihren Grüften Die Geister leis' hervor;

Still tanzen, in Ruinen, Die Gnomen und die Fey'n, Vom Glühwurm bleich beschienen, Den abendlichen Reih'n.

Am Seegestad' erlöschen Des Dorfes Lämpchen schon; Des Klosters dunklen Eschen Entlispelt Klageton;

Die Sterne blinken traurig Vom Herbstgewölk umgraut; Die Winde seufzen schaurig Im hohen Farrenkraut.

Des Traurenden Gedanken Entschweifen bang dem Schooß Der Alpenwelt, und wanken Um ferner Gräber Moos.

Tief ist die Ruh' der Grüfte; Der Morgensonne Licht, Das Wehn der Frühlingslüfte, Weckt ihre Schlumm'rer nicht.

O Freunde! deren holde Gestalten, mildumstralt Von blassem Abendgolde, Mir die Erinnrung malt:

Fünf Kränze von Platanen Bringt, hier am Felsaltar, Die Sehnsucht euren Manen Zum Todtenopfer dar.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das Todtenopfer · Friedrich von Matthisson · Poetry Cove