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1791

An Salis

Friedrich von Matthisson

Durch der Alpengewälde Nacht, am Tosen Wilder Ströme der Tief', o Salis, wandelt Ueber Wolken dein Freund am grauen Bernhard Sinnend und einsam.

Aus Gedanken der Schwermut weckt mich plözlich Hier am Zackengeklipp' der Sturz der Dranße; Hochauf siedet der Schaum, dumpf brüllt der Klüfte Donnernder Aufruhr.

Herrlich kleidet die Felswand ob der Brücke, Von den Wogen des Abgrunds bis zum Gipfel Mit dem luftigen Kreuz, der Alpenrose Brennender Purpur.

Höher streb' ich empor; mit jedem Schritte Beut die schimmernde Blumenwelt voll neuer Wunderformen im reichsten Schmelz ein schönres Zaubergemälde.

Hier auf duftendem Grün, im Sonnenglanze, Wiegt, o reizendes Bild! wie auf safirner Urn', am Saume der blauen Enziane Sich der Apollo.

Ziegen weiden umher; die Alpenlerche Singt ihr einsames Lied; aus fernen Thälern Schallt das Muhen der Heerd' und ihrer Glocken Dumpfes Geläute.

Dein gedenk' ich, o Salis, mit der Sehnsucht Heisser Thräne! der Berge Pracht umfloren Plözlich trübende Schleier; nur dein Bildnis Dämmert im Nebel.

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