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1796

An ein Dorf

Friedrich von Matthisson

Flora krönt mit heitrer Blumenfülle Deine Rasenhügel, Ceres überströmt mit goldnem Segen Dein Gefild, o Dörfchen!

Schwesterlich, in deiner Bäume Zwielicht, Wandeln, traut umschlungen, Wie durch Geßners Hirtenparadiese, Seelenruh' und Unschuld.

Sittsamkeit blieb deiner Töchter Erbe; Ihrer Wangen Blüthe Prangt in keuschem Jugendroth, wie Guidos Himmlische Madonnen.

Wacker sind und kraftvoll deine Söhne; Mit wie mancher Wildniß, Wo die Distel herrschte, rang um Aehren Schon ihr Arm von Eisen!

O daß einst, o Dorf, in deinen Schatten, Bis zur letzten Woge, Mir der Strom des Lebens, rein wie jener Wiesenborn, entwallte!

Dort, wo Pappeln Dämmrung streun und Kühle, Wo des Thals Gebüsche In des Mühlenteichs kristallner Klarheit Ihre Locken spiegeln:

Winkte meine weinumrankte Hütte, Grünte meine Laube, Blühten meines Blumengartens Beete, Reiften meine Saaten!

Jenes Buchenhaines Frühgesänge Weckten mich am Morgen; Dieses Apfelbaumes Nachtigallen Tönten mich in Schlummer!

Stern der Hoffnung! Doch du bist umschleiert; Ach! das Wonnelächeln Meiner Grazie, der holden Freude, Starb an Lauras Grabe!

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