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1787

15. Schlummerlied für Amor

Maler Müller

Schliess, Amor, trautes Kind Schliess, holder Gott, geschwind Der Augen Zauberschein; Der Schlummer wartet dein,

Mit ihm ein Frühlingsträumchen. Dort am Orangenbäumchen Schläft's noch, vom Flattern matt, Auf einem Blüthenblatt.

Bald säuselt es dir zu Und senkt sein Goldgefieder Dir auf die Augenlieder, Und süsse, süsse Ruh.

O schliess den Zauberschein Der Augen, und schlaf ein! Die schönste Rose trägt, Von Floren selbst gepflegt,

Im Purpurschooss dein Bettchen; Dich deckt ein Nelkenblättchen; Von Balsamdüften bist Du lieblich übergossen,

Von Mondenglanz umflossen, Vom Sternenlicht geküsst. Still feiert rings die Nacht; Zephyre halten Wacht

Um die erwählte Rose, Geschmückt mit zartem Moose Und wiegen sanft dich ein; Auch flechten Amoretten

Dir schöne Silberketten Aus Mond- und Sternenschein; Jetzt lassen sie sich nieder, Und senken ihr Gefieder

Und schlummern gähnend ein. Nur du wachst noch allein! O schliess die Augen zu! Der Erdkreis liegt in Ruh,

Entschlummert schweigt der Hain, Kein Laut entbebt den Triften Kein Wiederhall den Klüften; Die Nachtigall allein,

Die Heroldin der Liebe, Sie sinkt verschmähte Triebe. O gieb der Armen Ruh! O schliess dein Auge zu!

So stillst du ihre Pein. Schlaf, trautes Kind, Schlaf ein!

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