Skip to content
1890

Susanne

Hermann Löns

Wo ist dein weißer Schleier, Susanne, mein vielliebes Kind? O Mutter mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide,

Da weht ein frischer Wind. Dein Haar ist aufgegangen, Susanne, mein Töchterlein? O Vater mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide, Da griff ein Dorn hinein. Und deine goldene Spange, Susanne, lieb' Schwester, sag' an?

O Bruder mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide, Da mag sie wohl liegen im Tann. Wo sind deine klaren Augen,

Susanne, mein vielliebes Kind? O Mutter mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide, Da machte der Staub sie blind.

Dein Wangenrot ist verblichen, Susanne, mein Töchterlein? O Vater mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide,

Da blich sie der Sonnenschein. Dein Kränzlein ging verloren, Susanne, lieb Schwester, sag' an? O Bruder mein, auf der Heide,

Wohl auf der braunen Heide, Da fand es ein fremder Mann. Und wird er es wiederbringen, Susanne, mein vielliebes Kind?

O Mutter mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide, Da kommt und geht der Wind. Was willst du nun beginnen,

Susanne, mein Töchterlein? O Vater mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide, Da will ich warten sein.

Und kommt er nicht wieder des Weges, Susanne, lieb Schwester, sag' an? O Bruder mein, auf der Heide, Wohl auf der braunen Heide,

Da liegt ein erschlagener Mann.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Susanne · Hermann Löns · Poetry Cove