Skip to content
1890

Die Schlangen

Hermann Löns

Gott Apollo, gib mir Töne, Daß ich diese stolze Schöne Nach Gebühr besingen kann, Deren ellenlange Zöpfe

Dieses frommen Nestes Köpfe Ziehn in ihren Blondhaarbann. Diese semmelblonden, langen Graziösen Riesenschlangen

Haben auch mein Herz berückt, Ich gesteh, es war abscheulich, Im Konzerte hab' ich neulich Taub nach ihr nur hingeblickt.

Wie der Schlangenzwilling wehte, Wenn der blonde Kopf sich drehte, Heiliger Antonius! Jetzt versteh' ich deine Qualen,

Als besucht dich dazumalen Jener fesche Genius. Bibel, Geißel, Totenköpfe Helfen nichts, wenn blonde Zöpfe

Ihnen keck den Krieg erklärt. Und ich bin kein Heiliger, leider, Trage keine härnen Kleider, Bin nicht dürr und abgezehrt.

Darum tu ich dir, du Holde, Dir und deinem Kopfhaargolde Krieg und Kampf zu wissen kund, Deinen Lippen, deinen warmen,

Ärmelknappen, weichen Armen, Deinem scharfgeschnitt'nen Mund. Erste Schlacht – je eh'r, je besser, Kämpfen will ich bis aufs Messer,

Horch, die Trommel wird gerührt, Sterbend werde ich verbluten Oder du von Liebesgluten Krank mir an das Herz geführt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Schlangen · Hermann Löns · Poetry Cove