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1890

Der Märchenwald

Hermann Löns

Mitten im Moor liegt der Märchenwald, Vom Zauberbache begrenzt; Lockender Zauberruf dort erschallt, Distel und Dorn ihn umkränzt.

Mitten im Wald eine Wiese sprießt, Ihr Gras ist weich und lang; Unter der Wiese die Quelle fließt, Die hat eigenen Klang.

Hinter der Quelle steht ein Baum, Sein Silberlaub zittert im Wind; Da sang mir ein Vogel den Wundertraum Von dir und mir, mein Kind.

Unter dem Baume da wächst ein Moos, Das schimmert und leuchtet wie Gold; Farne wuchern da stolz und groß, Ihr Laub ist seltsam gerollt.

Da wo die beiden Machangeln stehn, Da führt der Weg in den Wald; Nur wer das Wort kennt, der kann ihn gehn, Ihm bieten die Dornen nicht Halt.

Komm, Geliebte, und küsse mich, Komm, ich weiß ja das Wort; Und das Wort, das heißt „Ich liebe dich!“ Das drängt jedes Hindernis fort.

Komm, mein Lieb, und fürchte dich nicht, Komm doch, das Glück das lacht; Zwei Machangeln, schwarz und dicht, Halten treuliche Wacht.

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