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1862

Zur Rückertfeier

Hermann von Lingg

Zu „Schwert und Leier“ in dem Sturme, In dem sich Deutschland aufgerafft, Klang wie des Wächters Ruf vom Turme Ein Taglied, kühn und reckenhaft.

Das war ein Rütteln an der Kette, Als dröhnend mit zum Waffengang Die Schar geharnischter Sonette Des Geistes helle Schwerter schwang.

Es war, als stiegen aus der Erde Die eingesargten Hünen auf, Als sprengten auf dem Musenpferde Walküren her im Sturmeslauf.

Da hörte man von edlem Zorne Gedanken knirschen, mit Gestampf Den Versfuß klirren und die Norne Das Schicksal weben um den Kampf.

Wohl glich ihr Sänger auch der Eiche, So dauernd und so mächt'ger Kraft, Der Sprache weitverzweigte Reiche Gestaltend voller Meisterschaft.

Er immer selbst, die freie Seele; Sein deutsches Herz gab stets sich kund, Ob Madrigal, ob Spruch, Ghasele, Ob Lieder sang sein reicher Mund.

Wie künstlich auch die Formen gipfeln, Der Grund wie streng und schlicht und stark! An ihm war alles von den Wipfeln Bis zu der Wurzel gleiches Mark.

Ja, unter diesem Eichenbaume Erblühten Rosen, wunderzart; Die Weisheit lag vertieft im Traume, Beim Eisen der Juwel verwahrt.

Dem Dichter, der die süßen Lieder, Den „Liebesfrühling“ sang, ein All Von Glück und Treue, blüh' der Flieder Und singe stets die Nachtigall.

Des Dichters Denkmal wird gesungen, Nicht nur gebaut aus Erz und Stein: Stets wird es in Begeisterungen Und im lebend'gen Worte sein.

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