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1862

Im Spätherbst

Hermann von Lingg

Es fallen von den Bäumen Die welken Blätter ab, Ich wandle still in Träumen Den Felsenpfad hinab.

Die Wolken, wie sie jagen, Im Abendgolde blühn, Von Stürmen fortgetragen, Und in die Nacht verglühn!

In Schwärmen kommt gezogen Der Wandervögel Schar Dem Süden zugeflogen: Zu Ende geht das Jahr.

Die Blumen an dem Bache, Vom letzten Tau gestärkt, Verblühn in stillem Ache Allmählich, unvermerkt.

Vergangne Jahre schweben Mit Wind und Wolken fort, Vergangen Leid und Leben, Verklungen Lied und Wort.

Der Wind entlaubt die Bäume – Mir ist es einerlei! Die Tage werden Träume, Die Freuden sind vorbei.

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Im Spätherbst · Hermann von Lingg · Poetry Cove