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1862

Attilas Schwert

Hermann von Lingg

Unterm Eichbaum auf der Heide Liegt ein Riesenschwert uralt; Oft in seiner dunklen Scheide Zuckt es durch den Felsenspalt.

Heimlich warten Gnom und Elfe Wachsam bei dem großen Schatz, Aber Eber nur und Wölfe Wissen den gefeiten Platz.

Endlich finden's Hunnenkrieger, Attila empfängt den Hort, Und er ruft: „Als Weltbesieger Grüßt mich hier ein Götterwort.“

Spricht's und schwingt das Schwert der Ahnen Wie zum Wurf nach West empor; Allen Hunnen und Alanen Schien es wie ein Meteor.

Hoher Widerschein am Himmel Dehnt sich wie Kometenglanz; Durch die Luft ein Schlachtgetümmel Hört der Kaiser in Byzanz.

Hört's und ruft den Astrologen, Der ihm nun, wie alles schweigt, Auf des Bospors dunklen Wogen Schwanke blasse Sterne zeigt:

„Kaiser, Gott und Götter schlafen, Deine großen Feinde nahn; Mische Gift und opfre Sklaven, Taten hast du nie getan!“

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