Skip to content
1862

19.

Hermann von Lingg

O stumm ist die Ferne, da dringt Kein Gruß mehr ans sehnende Herz, Und kein Gedanke bezwingt Den tödlichen Schmerz.

Kein Händedrücken, kein Wort Scheucht vor dem harten Geschick Die Sorgen, das Bangen mehr fort, Kein Lächeln, kein Blick! –

Es dämmert, es neigt sich der Tag, Der Glanz in den Wolken erblich. Wer wär' jetzt, o Liebliche, sag, Wer wär' jetzt um dich?

Wer böte dir jetzt den Arm Und hieße dich tausendmal sein Und wiegte dann innig und warm In Schlummer dich ein?

Und wer, seines Glückes bewußt, Wer böte, beseligt wie du, Dir seine hochklopfende Brust Als Kissen dazu?

Gedenkst du noch sein, mein Kind, Des Ärmsten, der jetzt allein Hinstürmt in Wetter und Wind, Gedenkst du noch mein?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
19. · Hermann von Lingg · Poetry Cove