Skip to content
1862

10. Mittagszauber

Hermann von Lingg

Vor Wonne zitternd hat die Mittagsschwüle Auf Tal und Höh' in Stille sich gebreitet; Man hört nur, wie der Specht im Tannicht scheitet, Und wie durchs Tobel rauscht die Sägemühle.

Und schneller fließt der Bach, als such' er Kühle. Die Blume schaut ihm durstig nach und spreitet Die Blätter sehnend aus, und trunken gleitet Der Schmetterling vom seidnen Blütenpfühle.

Am Ufer sucht der Fährmann sich im Nachen Aus Weidenlaub ein Sonnendach zu zimmern Und sieht ins Wasser, was die Wolken machen. Jetzt ist die Zeit, wo oft im Schilf ein Wimmern

Den Fischer weckt; der Jäger hört ein Lachen, Und golden sieht der Hirt die Felsen schimmern.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
10. Mittagszauber · Hermann von Lingg · Poetry Cove