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1844–1909

Unheimlicher Teich.

Detlev von Liliencron

Zwei krause verkrüppelte Zwergeichen, Weidengestrüpp, Feldsteine, und Ein alter, weggeworfener, zerrissener, Halbverfaulter, verlassener Stiefel.

Im Schilf lärmt der Rohrspatz In weiter Stille. Langsam auf Brachfeld und Moor welkt der Tag, Und blaß zwinkern drei, vier Sterne,

Wie Kätzchenäugelchen, die zum ersten Mal in die Es schweigt der Wind. Eine Kuh brüllt auf fernen Feldern In weiter Stille.

Still und einsam. Aus der schwarzen Wasserlache Steigt in lang weißem Gewand ein Priester. Und in seiner Hand, hoch dem Haupte,

Glänzt die Monstranz. Die Monstranz? Vor zweihundert und etlichen Jahren Sind die Schweden durchs Land gefahren,

Und ein wüster Blondgesell Stahl aus der Kirche das Heiligste schnell Und steckt in den Sack das Stück. Doch hinter ihm her kam der Priester gerannt,

Ein junger, tapferer Prädikant, Und kämpft es zurück. Aber wehe, o weh, Hinterm Busch im Klee,

Lag des Schweden Kamerad, Von Axel Cederstolpe’s Dragonern, Sven Grath Die beiden schlugen den Priester tot, Der hat in seiner letzten Not

Das Hostiengefäß gehalten, Daß sich die Finger krallten in Wachs … … und sie warfen ihn ins Loch. Allabendlich doch,

Wenn das letzte Rot verschwommen, Und die ersten Sterne kommen, Steht er tieftraurig auf dem Teiche. Gestern kam der alte Kuhhirte Hans

Vom Jahrmarkt etwas schwer des Weges daher, Der sah den Priester und die Monstranz. Den alten Hans fanden wir heute Morgen Als Leiche.

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