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1844–1909

Stück in Esther. Kapitel 4. Vers 3—14.

Detlev von Liliencron

Einer wunderschönen Jüdin Saß ich heute gegenüber, Aus den großen braunen Augen Klagte scheu Jerusalem.

Eingeschlagen wie zwei Nägel, Blitzten in den kleinen Ohren Diamanten reinsten Wassers, Blitzten lüstern mir ins Herz.

Unausstehlich war ihr Gatte, Grau, gelangweilt, Zähne stochernd, Dachte an Prioritäten, Eifersüchtig schien er auch.

Und ich hob den vollen Römer, Und ihn an die Lippen setzend, Fand ich ihre braunen Augen, Trank ihn aus auf einen Zug:

Haman, Esther, hieß der Unhold, Der dich einst vernichten wollte, Haman nenn’ ich deinen Gatten, Ich will Artaxerxes sein.

Haman schaukelte bei Susan Bald an einem hohen Galgen, Als den König Artaxerxes Du verliebt in dich gemacht.

Dein Genosse Haman aber Soll im Saal am Leuchter hängen, Und in Artaxerxes Armen Ruht die schöne Königin.

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