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1844–1909

Kurz ist der Frühling.

Detlev von Liliencron

Kam in ein Wirtshaus, ich weiß nicht wie, Tanzt der Soldate, tanzt der Commis. War ein so schöner Frühlingstag, Schlug mein Herz so besonderen Schlag.

Trug ein wunderbar Verlangen, Mit einem Mädel heut anzufangen. Und, alle Wetter, da seh’ ich sie tanzen, Dichtete gleich zehntausend Stanzen.

Als wieder am Platze die Tänzerin, Ging ich stracks zu der Kleinen hin. Bat sie, ein Glas zu trinken mit mir, Ja, sagte sie gleich und ohne Gezier.

Bestellt’ ich uns eine kalte Flaschen, Und dem Holdchen etwas zum Naschen. Blitzt mir ihr Auge dankbar entgegen, Zuckt um die Lippen es noch verlegen.

Kindel, mein Kutscher schlief draußen aus, Wir fahren, ich bitt’ dich, nun nach Haus. Lacht sie, die schelmische Tänzerin, Das wäre gar nicht nach ihrem Sinn.

Ließ ich mich weiter von ihr bestricken, Mußte den Kutscher zum Kuckuck schicken. Doch als der Morgen in Saal und Ecken, Führt’ ich am Arm sie durch Schlehdornhecken.

War so ein süßes, verliebtes Ding, Noch ohne Schmuck und noch ohne Ring. Freute sich kindisch über ein Band, Über ein Kettchen und allerlei Tand.

Tranken zusammen die Chokolade, Besahen uns dann die Wachtparade, Kaufte zum Hut ihr eine Feder, Schenkt’ ihr Handschuh von feinstem Leder.

Wohnten im hübschen Vorstadthaus, Fern vom Markt und vom Straßengebraus. Schaut in die Welt ihr Auge braun, Ging ihre Welt bis zum Gartenzaun.

War so gefällig, war so bescheiden, Dacht’ ich nimmer an Scheiden und Meiden. Doch als der Sommer kam in die Lande, Trennten sich unsere Liebesbande.

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