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1876

In Martin Luthers Sprache

Detlev von Liliencron

Viel Gezeter und Gezause, Jede Kanzel ist der Krieg: Hochamt oder freie Predigt, Wem wird endlich doch der Sieg?

Hie Luther, hie Papist; Hie Antichrist, hie Christ. Ach Gott vom Himmel sieh darein. Hier die evangelische Lehre,

Dort der Kapellan, der Münch; Luthers deutsche Sprache säubert Das lateinische Getünch. Die Flamme leuchtet rot,

Ecclesia in Not. Ach Gott vom Himmel sieh darein. In Sanct Jacob vorm Altare Steht der Priester Hillebrand,

Streng die Messe celebrierend Im gestickten Prachtgewand. Monstranz und Cingulum, Crux, Responsorium.

Ach Gott vom Himmel sieh darein. Gloria Deo in excelsis – Plötzlich singen hoch vom Chor Zwei drei zarte Kinderstimmen,

Wie aus frischem Morgentor, Kerndeutsch, im Mutterbann, Da freut sich jedermann: „Ach Gott vom Himmel sieh darein.“

Mächtig singt es die Gemeinde, Alle, Alle fallen ein, Singt das ganze Lied zu Ende, Und so wird es fürder sein,

Im deutschen Kirchenlaut, Dem sich das Herz vertraut. Ach Gott vom Himmel sieh darein.

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