Skip to content
1876

Heißhunger

Detlev von Liliencron

Ach, komm doch! Ich stampfe vor Wut, Ich würge mein Blut: Ach, komm doch!

Wo bleibst du? Ich geh auf und nieder Unsern alten Weg, Unsern alten Weg

Geh ich auf und nieder. Wo bleibst du? Säh ich dein Kleid doch Schimmern aus Weiten,

Schimmern von Seligkeiten! Säh ich dein Kleid doch! Komm, ach komm! Wie du lächelnd vorwärts schwebtest,

Wie du lächelnd rückwärts strebtest, Wie wir beim letzten Schritt zögerten beide, Als wollten wir uns losreißen vom Leide, Bis wir uns aneinander drängten

Und uns küßten und zwängten Durch alle die Liebe durch. Komm, ach komm! Ist es zu Ende?

Mir wird das Herz steinschwer. Seh ich dich niemals mehr? Und in meine rasende Ungeduld Tritt mit königlicher Huld –

Was? Du hast mich geneckt? Hattest dich hinterm Busch versteckt? Bist herangeschlichen wien Dieb? Hast mich beobachtet durch irgendein Strauchloch:

Wie die Qual mich hin und her trieb Durch ihr Marterjoch! Das nenn ich aber doch – Und sie lacht, sie lacht und lacht und lacht

Und hat ihre Arme weit aufgemacht.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Heißhunger · Detlev von Liliencron · Poetry Cove