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1867

Der Ländler

Detlev von Liliencron

Auf die Terrasse war ich hinbefohlen, Der jugendlichen, schönen, geistvollen, Holdseligen Prinzessin vorzulesen. Ich wählte Tasso.

Durch den Sommerabend Umschwirrt uns schon das erste Nachtinsekt. Die Sonne war gesunken. Rot Gewölk Stand hellgetönt, mit Blau vermischt, im Westen.

Der Garten vor uns, tief gelegen, hüllt Sich ein in dunkle Schatten mehr und mehr. Und eine Nachtigall beginnt. Der Diener

Setzt auf den Tisch die Lampen, deren Licht Nicht durch den schwächsten Zug ins Flackern kommt. Von unten, aus dem Dorfe, klingt Musik, Und deutlich aus der Finsternis heraus,

Leuchtstriche, blitzen eines Tanzsaals Fenster. Die Paare huschen schnell vorbei in ihnen. Zuweilen, wenn die Thür geöffnet steht, Erschallt Gestampf, der Brummbaß, Kreischen, Jauchzen.

Unbändig scheint die Freude dort zu herrschen. Ich trage unterdessen weiter vor, Wie flüchtige Bilder, unbewußt, den Trubel Im Thal an mir vorüberziehen lassend,

Und jene Verse hab' ich grad getroffen: „Beschränkt der Rand des Bechers einen Wein, Der schäumend wallt und brausend überquillt?“, Als ich die Lider hob und die Prinzeß,

Die säumig ihre Linke dem Geländer Hinüber ruhen läßt, erblicke, wie sie, Nicht meiner Lesung achtend, niederschaut, Das braune Auge träumerisch, sehnsüchtig

Hinuntersendet auf den fröhlichen Ländler. „Wie wär' es, fänden wohl Durchlaucht Vergnügen, Dem frohen Reigen dort sich anzuschließen?“ Und sie, ein Seufzer: „Ach, ich thät's so gern.“

Wenn ich's nur bringen könnte, wiedergeben, Wie jenes Wort von ihr gesprochen ward, Das „so“, das „gern“, wenn ich's nur treffen könnte, Wie sie das sagte; „Ach, ich thät's so gern.“

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