Auf einer Forscherfahrt im Ocean Fand ich ein Inselchen, so leer und öde, Als hätte jüngst das Schwert des Tamerlan Den letzten Keim gebrochen, hart und schnöde,
Die Pest gezogen ihre Beulenbahn, Daß wenig Menschen blieben, blaß und blöde. Kein Pflug, ernährend, riß die Ackerkrume, Kein Jäger sang, am Hut die Feder keck.
Spärlich wuchs Gras und Moos und Hundeblume, Zwergobst verkroch in’s Blatt sich, grün vor Schreck. Ein Städtchen lag, verlassen im Wehtume, Am ganz verschlammten Hafen im Versteck.
Voran geht immer der Herr Bürgermeister, Er litt am Stein, war grämlich, matt und mager. Es folgt der Richter, ein weit hergereister Und sehr gerechter Mann, auch etwas hager.
Der Arzt, des wack’ren Todes Hilfeleister, War lange schon des Apothekers Schwager. Der Zöllner spielte täglich seinen Skat Acht Stunden mit den beiden Herrn Pastoren.
Wie Dornenröschen schlief der Advokat, Kein Kundenprinz hat je sich hinverloren. Im Sitzungssaale gähnt der hohe Rath, Die Boten schnarchen auf den Korridoren.
Doch nein, das that er nicht. Im Gegentheil, Er war ein milder und humaner Herr. Ihm folgten Männer ohne Schwert und Beil. Umdrängten ihn mit Hin- und Hergezerr
Die guten Leute, riefen alle Heil! Heil! auch die Kinder mitt’ im Schulgeplärr. Es hatte auch das Städtchen Garnison, An jedem Mittwoch war Parolausgabe.
Dann zog die Wache auf vom Bataillon Mit Tschingdada, Dienstmädchen, Schusterknabe. „die Herrn Offiziere!“ rief mit Donnerton Der Gouverneur, umringt von seinem Stabe.
Warum er hier, das konnte Keiner sagen. Er lebte nun seit vierzig Jahren schon, Im Sommer heiß, im Winter hoch den Kragen, Auf diesem allerliebsten kleinen Thron.
Die einen sprachen, daß in frühern Tagen Ihn sehr gekannt Herr Levy Nathansohn. In einer Sommernacht im alten Garten Des Königs stand ein junger Offizier.
Es schlug die Nachtigall, die Frösche quarrten, Der Mond beschien am Schloß den Grenadier. Auf Muschelwegen, harten, leise knarrten Zwei Stiefelchen . . Pst . . Liebster . . bist du hier …
Denn gräßlich, gräßlich endet der Roman: Es schlich, huhu! im Garten ein Lakai, Der Schlingel hatte, bei Sankt Kilian! Entlassen eben selbst erst seine Fei.
Der sah das Paar. Anzeige. Wutorkan — Und ach, wie schnell entschwand des Lebens Mai. Als ihn nun fror im kalten Aechtungsschatten, Packt ihn zuerst ein wütend Heimatweh.
Es kam der Fluchtversuch ihm schlecht zu statten, Als er dem Eiland sagen wollt’ Ade. Seit jener Zeit durchkreuzten zwei Fregatten Vor seinem Felsenschlosse stets die See.
So traf ich ihn. Sein Bart war lang und weiß, Sein Wuchs der eines wuchtigen Athleten. Für Alles interessirte sich der Greis, Besonders auch für unsere Poeten.
Ich sah ihn manch modernes Dichterreis, Oft vielgelesen, arg zusammentreten. Sein Haus führt eine Wittwe, jung und schlank, Mit einem Stumpfnäschen wie der Kirgise,
Die braunen Augen schmachteten wie krank Nach Liebe, Lieb’ auf stiller Waldeswiese. Hier, leider, gab es keine, und so sank Im Zimmer ich zu Füßen meiner Lise,
Des Alten Leben ging wie nach der Schnur. Am Posttag unterschrieb er Amtsberichte, Schlag elf Uhr kam der Adjutant du jour, Punkt sieben aß er drei bis vier Gerichte,
Durchflog alltags die neuste Litteratur, Und schrieb Sonntags von neun bis zehn Gedichte.
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