Skip to content
1911

Der Türke

Alfred Lichtenstein

Ein ganz und gar perverser Türke kaufte sich Aus Trauer über den erst jüngst erfolgten Tod Der fetten Fatme, seines Lieblingsweibes, Bei seinem Mädchenhändler zwei noch ziemlich gut erhaltne –

Man kann fast sagen: beinah nagelneue – Und eben frisch aus Frankreich importierte, Ehemalge Mannequins. Als er sie hatte, sang er, sich zur Feier:

Setzt euch doch auf meine Schenkel. Fasset mich um meine Lenden. Streichelt mit den süßen Zungen Mir die weinerlichen Wangen.

Ach, ihr habt so schön geschmückte Augen und so helle Hände, Müdeste von meinen Frauen, Und so lange, laue Beine.

Morgen kauf ich sechs Paar neue Strümpfe euch aus dünnster Seide Und dazu ganz kleine schwarze Sammetschuhchen.

Und am Abend sollt ihr tanzen Ganz verlogne, weiche Tänze In den kleinen Sammetschuhchen Und den neuen seidnen Strümpfen.

In dem Garten. Vor der Sonne. Dicht am Wasser. Doch zur Nacht laß ich euch peitschen Von vier lächelnden Eunuchen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Türke · Alfred Lichtenstein · Poetry Cove