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1776

87.Shakespeares Geist ein Monologe

Jakob Michael Reinhold Lenz

Wie? welche Menge? welche Stille? Als wärens Geister. Welche Grille Bezaubert diese tausend Köpfe? Ich?

Mein Hamlet? Mein Stück! Welch ein unerwartetes Glück! Hamlet vor mir! Gott! – Schafft dein Schicksal

Menschen nach? Realisirt Was ich in unvergeßlichen Stunden Durchgezittert, durchempfunden In meiner Seele aufgeführt?

O welch Herablassen! deinem Affen Würdigst du Vater! nachzuerschaffen. – Meine Shakespears! Ihr schenkt mich mir wiederum, Liebes, liebes Publikum.

Guckt nur! bis ihr seht was ich sah Als die Offenbarung mir geschah. Bis Euer Puls so fliegt, euer Leeben erhitzt So das Augenlied schwingt, bis euer Auge blitzt

Voll unaussprechlicher Verlangen Die sich Luft machen auf den Wangen. O ihr alle Shakespears an diesem Abend, alle Meine Kinder! meine Wiederhalle!

Bleibt nur den Abend so – darnach laß ich euch loß, Darnach werdt ihr wieder gewaltig und groß, Seht hinaus über mich, könnt wieder mich schreyen Könnt mir ins Angesicht speyen

Critik, Galle, Zorn, Könnt, mich zu höhnen Mich krönen Mit Dorn,

Könnt ihr armen Ehrgeitzigen Meinethalben mich kreutzigen: Hatte mein Gott, dessen Erdenkloß Ich nur bin doch kein beßer Looß,

Hat euch doch ewig seelig gemacht Da ich euch nur um zwey Stunden gebracht. Bleibt die zwey Stunden nur so – liebe Ichs Liebe Shakespears! – Gott! wie beseeligt mich's

Dis Dein Gefühl, Urquell aller Gaben! Menschen mich mitgetheilt zu haben. Diese zwey Stunden nur – genug! – Nun zu Gott zurück mein Flug!

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