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1802–1850

ViII . Die Heimkehr.

Nikolaus Lenau

Zu Paris am Königsschlosse, Das der Prinz nunmehr bezogen, Harrt der Wagen lange Reihe, Drängen sich des Volkes Wogen.

Auf der kunstgeschmückten Treppe Stehn die königlichen Garden, Dem Andrang des Volks zu wehren Mit dem Stoß der Hellebarden.

Johann Kasimir, gebleichet Von des Kummers langem Drucke, Stieg herab, seit lange wieder In dem vollen Fürstenschmucke.

Auf dem Haupt die sammtne Mütze, Um den Busch des Reihers brannten, In vielfache Schnur gewunden, Große helle Diamanten.

An dem sammtnen Oberkleide Weite Aermel niederhangen, Drauf das goldne Fell des Widders, Und die Demantkette prangen.

Der kostbare Persergürtel Trägt des Säbels Eisenbogen Mit rubinbeseztem Griffe, Den der Jüngling oft gezogen. —

Ihn umrauschen die Begleiter: Sully, Angouleme, nebst andern, Sagen ihm viel süße Worte, Wünschen ihm ein glücklich Wandern.

Doch der Zug, die Treppe nieder, Muß auf jeder Stufe stocken, Unaufhaltsam strömt das Volk zu, Mit gutmüthigem Frohlocken.

In der Treppe tiefster Ecke, Hinter des Hartschirers Rücken, Hat ein Mädchen sich geschmieget, Auf den Zug hervorzublicken.

Eingebettelt in die Stelle Hat sie sich mit bangem Flehen, Daß sie dürfe nur noch einmal Unbemerkt den Prinzen sehen.

Also hat in scheuer Demuth Klara Hebert sich verborgen, Nimmer braucht ja ihre Liebe Für den Theuren mehr zu sorgen.

Nicht gewahrt der rauhe Wachmann Ihres Herzens lautes Pochen, Und wie manche heiße Thräne Aus den Augen ihr gebrochen.

Plötzlich hält Johannes inne, Forschend blickt er ins Gedränge; Doch nicht sieht er, die er suchet In des Volkes bunter Menge.

Und der Liebe bange Zweifel Ihm die Seele jezt erfassen: „klara!“ ruft er laut und schmerzlich, „klara! willst du mich verlassen?“ —

Wie sie so ihn höret rufen, Stürzt sie hin mit lautem Weinen, Und ohnmächtig liegt das Mädchen Auf der Treppe Marmorsteinen.

Festgedrückt an seinen Busen, Hält Johannes sie umfangen, Mit unendlich süßer Wehmuth Küßt er ihre bleichen Wangen.

Lange noch auf ihrem Antlitz Ruht sein seliges Betrachten, Und es zittert seine Stimme: „lebewohl!“ der Auferwachten.

Zu Graf Angouleme nun spricht er: „eurem Schutz sey sie befohlen; „ehret sie, wie es der Freundin „ziemen mag Johanns von Polen!

„meines Lebens kühne Rettung „dank' ich diesen zarten Händen; „und daß ich zur lieben Heimat „wieder kann die Schritte wenden!“

Rasch besteigt er seinen Wagen‚ Und den Prinzen segnet Jeder. Jezt verliert sich in der Ferne Schon das Rollen auch der Räder.

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