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1802–1850

Unbeständigkeit .

Nikolaus Lenau

Daß ich dies und das beginne, Heute g'rad und morgen quer, Gegen das, was heut' ich minne, Morgen richte Spieß und Speer:

Sollte das so sehr dich wundern, Du mein consequenter Mann?! Keiner von den Erdenplundern Lange mich behalten kann!

Heute bin ich zum Exempel Ganz ein Metaphysikus; Morgen schallt in Themis Tempel Mein unsteter Menschenfuß.

Heute steh' ich Nachts am Giebel, Suche Jungfrau, Stier und Bär; Morgen les' ich in der Bibel, Uebermorgen im Homer.

Blickt mein Geist im Wissensdrange Durch O dann paßt er auch nicht lange, Sieht er drinnen nichts erhellt;

Und er guckt zu einem andern In die finstre Welt hinein; Muß von hier auch weiter wandern, Nirgends auch nur Lampenschein!

Freilich, wenn du unabwendig Starrest in dasselbe Loch, Wird's vor deinem Blick lebendig, Dein Ausharren lohnt sich doch;

Denn die Augen dir erlahmen, Und Gespenster malen sich In des Fensters leeren Rahmen: Und man nennt den Weisen dich!

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