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1840

Simon Montfort

Nikolaus Lenau

Die Burgen und die Dörfer brennen, So helle Flamm ist angefacht: Man kann in mondverlaßner Nacht Die Toten auf dem Feld erkennen.

Der Krieg, der wilde, rennt und schnaubt Durchs Land, die blutig rote Pfütze, Er hat den Himmel sich aufs Haupt Gesetzt als eine Scharlachmütze.

Graf Montfort nach Toulouse reitet Mit seinen kreuzgeschmückten Scharen, Von seiner holden Frau begleitet, Durch rauhe Mühsal und Gefahren.

Er spricht zu ihr, wie reich mit Segen Die Kirche seine Fahrt belohne, Es blinke strahlend schon entgegen Ihm von Toulous' die Fürstenkrone,

Wie Beziers ihm zugefallen Mit Burgen, Städten und Vasallen, Wie Carcassonne, Conserans, Albi und Foix ihm untertan.

Doch schweigend reitet sein Gemahl, Weil Atem ihr und Sprechen schwer Im Wind, der von den Feuern her Rauchwolken jagt ins enge Tal.

„Wenn auch die Äuglein überfließen, Laß, Kind, den Rauch dich nicht verdrießen; Bald folgt den Zeiten rauher Kämpfe Ein glanz- und ehrenreicher Friede;

Bedenk, es kommen diese Dämpfe Aus unsres Glückes Flammenschmiede. Bald steht, mein letztes, schönstes Hoffen, Mir huldigend Tolosa offen!“

Sie schweigt, nicht bloß der scharfe Rauch Hat Stimm und Rede ihr benommen; Ein schweres, banges Ahnden auch Hält traurig ihr das Herz beklommen.

Auch Montfort schweigt, und die Gedanken Beginnen zweifelnd ihm zu schwanken. Der Tritt von zwanzigtausend Pferden Erdröhnt, und durch des Rauches Flor

Bricht dunkelrot der Mond hervor, Wie Widerschein des Bluts auf Erden. Sie ziehn hindan die ganze Nacht, Und als der Morgenschein erwacht,

Umlagern sie zu Roß, zu Fuß, Ein breites Heer, die Stadt Toulous'. Graf Montfort kniet in seinem Zelt Anbetend vor dem Herrn der Welt,

Er beichtet Fulco und bekennt Die Sünden, die sein Herz beschweren, Er hört die Meß in Reuezähren Und nimmt das heilge Sakrament,

Daß Christi Leib und Blut ihm stärke Mit Mut den Leib zum blutgen Werke. Die Mönch' im Chore singen wieder Weithin erschallend fromme Lieder,

Harmonisch durch die Lüfte ziehen Der wilden Zwietracht Melodien. Wie Montfort jetzt, der kühne Fechter, Sein Roß besteigt, da bäumt und prallt

Der Gaul, und von den Mauern schallt Tolosas jauchzendes Gelächter. Doch Montfort schwingt sich auf im Zorn, Haut tief ins Roß den scharfen Sporn;

Hinspringt er an des Walles Rand Und droht mit Schwert und Blick, da fällt Ein Stein, der ihm das Haupt zerschellt, Und sterbend sinkt er in den Sand.

Fahr wohl! o Glück und Fürstenmacht! – Noch treffen Simon im Verscheiden Fünf Pfeile, die den Stein beneiden, Er hört noch, wie Tolosa lacht.

Nun schallt das Feld von Schmerz und Klage, Die weit das Lied von hinnen stören, Weil es, gedenkend frührer Tage, Um Simon nicht will weinen hören.

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Simon Montfort · Nikolaus Lenau · Poetry Cove