Die Schlacht verrauscht, die Sieger ziehn von hinnen; Ein Ritter bleibt zurück bei seinem Roß, Das ihm durchstach ein irrer Lanzenstoß; Ihm galts, er sieht des Rosses Blut verrinnen.
Des treuen Tiers kann er sich schwer entwöhnen; Er schaut es an mit einem Blick voll Leid, Schnallt ihm den Sattel ab, das Panzerkleid, Erleichtern will er ihm das letzte Stöhnen.
Zum Abzug wird das Schlachthorn dort geblasen, Da zuckt dem Gaul die Seele noch hervor, Da spitzt er müd und langsam noch das Ohr, Nun streckt er tot die Glieder auf den Rasen.
„Wo ist dein tapfrer Sprung, o mein Geselle? Und wo dein feurig Wiehern, edles Tier? So herrlich klangs, das liebste Schlachthorn mir; Wohin dein Mut, die Kraft, die Windesschnelle?
Sei nun ein Mahl, mein Roß, den Geierscharen! Sie haben nie geschmeckt so edles Blut; Zu kostbar ist dein Fleisch für Würmerbrut, In Geiern soll es gegen Himmel fahren.
Den Aaren soll dein Blut im Herzen kochen, Daß sie betrunken taumeln in der Luft, Dann singen sie dein Lob durch Berg und Kluft: Das beste Roß ward bei Montjoyr' erstochen.“
Er lagert sich am Waldsaum hoher Eichen, Die Walstatt ruht im Abendlichte klar, Und vor dem Anblick dieser Leichenschar Muß seinem Schmerz des Rosses Bild entweichen.
Die bleichen, wildentstellten Angesichter Ergrimmter Feinde liegen hier vereint, Gleichmäßig auf die Toten alle scheint Der Friedensgruß der sanften Abendlichter.
O hätte so gestrahlt in die Gemüter, Klar und versöhnend, ein Gedankenstrahl, Ein himmlisch Licht in dunkler Seelen Qual, Sie lebten – froh der holden Erdengüter.
Was raschelt in des Eichwalds dürrem Laube? Ihm naht ein Mönch und spricht: „Gott tröste dich!“ Und blickt so frei und fest, als ob er sich Im Schutze dieser Toten sicher glaube.
Ihm schmückt die Brust ein Kreuz von roter Seide, Die Waffen warf er weg; daß er sie trug An diesem Tag des Kampfs und Wunden schlug, Zeigt manche Spur des Bluts an seinem Kleide.
Der Klosterbruder lagert sich zum Reiter, Der einen Gruß dem Waffenlosen nickt, Dann wieder auf das Feld hinüberblickt; Sie starren beide auf die toten Streiter.
Der Herbstwind jagt die Blätter von den Bäumen Hin übers Feld, sie wirbeln und sie fliehn Den Toten um die stillen Häupter hin, Wie Schatten von verlornen Lebensträumen.
Das sieht sich traurig an; das Abendscheinen Floh mit dem dürren Laub den bangen Ort, Der Herbstwind führt allein das ernste Wort, Die beiden still – der Mönch beginnt zu weinen.
Doch plötzlich fährt er auf, sich zu ermannen, Das rote Kreuz, der Kirche Angebind, Er reißt es von der Brust und gibts dem Wind, Es flattert wie das dürre Laub von dannen.
Befremdet schaut der Ritter den Genossen Und fragt: „Was willst? was soll dein seltsam Tun?“ Doch näher rückt der Mönch dem Ketzer nun, Hat liebvoll in die Arme ihn geschlossen.
„Nicht folg ich mehr der Kirche blutgen Fahnen; Im Hinblick auf das stumme Leichenfeld Hat Friede wunderbar mein Herz erhellt, Des tiefen Sinns ward mir ein freudig Ahnen.
Gottmensch, Erlöser, Christus ist die Seele Der Welt, der Menschheit innerstes Geschick; Doch Dunkel hüllt es noch vor unserm Blick, Kein Buch erklärts, es klang aus keiner Kehle.
Das Leben bricht der Kirche düstre Schranke; Die heilige Geschichte ist geschehn, Doch war auch sie nur Abglanz und Vergehn; Vollenden wird Erlösung der Gedanke.“
Der Ritter reicht zum Bund ihm seine Rechte Und spricht: „O Mönch, geehret sei dein Mund! Komm auf mein Schloß und geh mit mir zu Grund! Die Nachwelt blüht, wir fallen im Gefechte.
Doch eh die Welt gelangt zu ihrem Heile, Erhebt der Kampf sich erst mit neuem Mut, Wenn er auf unsern Gräbern ausgeruht Und still gesonnen eine trübe Weile.
Die Schar der kühnen Streiter schwand zusammen, Schon wird es still; der Geist, der sie gelenkt, Er liebt, zu sinnen bald, in sich versenkt, Und bald in Kämpfen herrlich aufzuflammen.“
Es dämmert schon das Tal in Nebelschleiern, Die beiden wandeln fort, der Ritter kehrt Noch einmal scheidend sich nach seinem Pferd, Und in den Lüften schallt der Ruf von Geiern.
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