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1833

Die Rose der Erinnerung

Nikolaus Lenau

Als treulos ich das teure Land verließ, Wo mir, wie nirgend sonst, die Freude blühte, Mich selbst verstoßend aus dem Paradies Voll Freundesliebe, holder Frauengüte;

Und als ich stand zum ernsten Scheidegruß An meiner Freuden maiengrünem Saume, Als mir im Auge quoll der Tränenguß Wie warmer Regen nach dem Frühlingstraume:

Da bog sich mir zum Lebewohl herab Der reichsten einer von den Blütenzweigen, Der freundlich mir noch eine Rose gab; Mein Herz verstand sein liebevolles Schweigen.

‚Nicht in den Staub, o Freund, hier weine hin, Hier auf die weichen Blätter dieser Rose!‘ Das war der stummen Gabe milder Sinn; Und schmerzlich rasch folgt ich dem Wanderlose

In fremde Welten fuhr mich der Pilot, Vom teuren Lande trennen mich nun Meere; Und wie mir einst das Lebewohl gebot, Netz ich die Blume mit getreuer Zähre.

Der Rose inniglicher Duft entschwand, Es ging die frische Farbenglut verbleichen; Sie ruht so blaß und starr in meiner Hand, Des Unverwelklichen ein welkes Zeichen.

Des Unverwelklichen? – sie rauscht so bang, Will meine Hand die Rose wieder wecken; Als wär es ein prophetisch trüber Klang, Hör ich den Laut mit heimlichem Erschrecken.

O Rose der Erinnerung geweiht! Mir dünket deiner welken Blätter Rauschen Ein leises Schreiten der Vergänglichkeit, Hörbar geworden plötzlich meinem Lauschen!

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