Dort am steilen Klippenhange,
Wo der Wildbach niederschäumt,
Lehnt beim Sonnenuntergange
Einsam still ein Mann — und träumt.
Hingesenkt das gramesmatte
Angesicht, so früh verblüht,
Starrt er auf die Felsenplatte,
Die vom Abendrothe glüht.
Wie er also unabwendig
Starret auf den hellen Stein,
Werden plötzlich d'rauf lebendig
Seine lieben Fantasei'n.
Seiner Kindheit Spielgenossen
Tanzen lustig drüber hin
Mit der Unschuld süßen Possen,
Laden ein zu Spielen ihn.
Auch sein Mütterlein, die gute,
Wandelt lächelnd auf dem Stein,
Die so manches Jahr schon ruhte
In dem öden Todtenschrein.
Und nun sieht er unter ihnen
Klar sein eignes Jugendbild,
Mit den frohen Fremdlingsmienen
Auf der Erde Schmerzgefild.
Und er hört das laute Klopfen
In des Jünglings heißer Brust,
Sieht vom Aug' ihm niedertropfen
Thränen, selig, unbewußt;
Möchte mit dem Jüngling greinen,
Daß er traut der holden Mähr;
Und auch wieder bitter weinen,
Daß er nicht der Jüngling mehr. —