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1802–1850

Die Felsenplatte .

Nikolaus Lenau

Dort am steilen Klippenhange, Wo der Wildbach niederschäumt, Lehnt beim Sonnenuntergange Einsam still ein Mann — und träumt.

Hingesenkt das gramesmatte Angesicht, so früh verblüht, Starrt er auf die Felsenplatte, Die vom Abendrothe glüht.

Wie er also unabwendig Starret auf den hellen Stein, Werden plötzlich d'rauf lebendig Seine lieben Fantasei'n.

Seiner Kindheit Spielgenossen Tanzen lustig drüber hin Mit der Unschuld süßen Possen, Laden ein zu Spielen ihn.

Auch sein Mütterlein, die gute, Wandelt lächelnd auf dem Stein, Die so manches Jahr schon ruhte In dem öden Todtenschrein.

Und nun sieht er unter ihnen Klar sein eignes Jugendbild, Mit den frohen Fremdlingsmienen Auf der Erde Schmerzgefild.

Und er hört das laute Klopfen In des Jünglings heißer Brust, Sieht vom Aug' ihm niedertropfen Thränen, selig, unbewußt;

Möchte mit dem Jüngling greinen, Daß er traut der holden Mähr; Und auch wieder bitter weinen, Daß er nicht der Jüngling mehr. —

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