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1802–1850

Das Herz .

Nikolaus Lenau

Scheitert unsre Brust an Klippen, Hingeschellt von Sturmeswuth, Trinkt mit aufgerissnen Lippen Unsre Wunde Schmerzensfluth;

Schöpft das Herz dann hastig bange Aus der Brust den Thränenguß, Weil es sonst vom Wellendrange Ueberfluthet sterben muß;

Dann wird auch der Sturm beschworen, Helle wird die Finsterniß, Es vertünchen milde Horen An der Brust den Wundenriß.

Aber ist das Herz ein zages, Wenn die Brust die Woge trinkt; Starrt es ob des Klippenschlages Störrisch, müßig — und versinkt.

Ist's ein wildes ungezäumtes, Wird es im Tumulte scheu, Todestrunken glüht und schäumt es, Und zertrümmert sein Gebäu.

Wenn dann auch der Himmel heiter Und mit lindem Hauche weht, Und der Strom sanft wiegt die Scheiter; Für die Todten ist's zu spät.

Doch ihr Schifflein, hört, ihr andern! Seyd ihr auch dem Sturm entwischt, Ruhig mögt ihr weiter wandern, Aber nicht gehöhnt, gezischt:

„wie der Nachen ward zertrümmert! „wie das Herz im Strom ersoff! „warst wohl auch zu leicht gezimmert! „warst wohl auch aus schlechtem Stoff!“

Hütet euch, ihr andern, hütet! Denkt an eurer Fahrten Rest; Denn der Zukunft Nacht bebrütet Manchen Sturm im dunkeln Nest.

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