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1802–1850

An die Hoffnung.

Nikolaus Lenau

Hoffnung! laß allein mich wallen, Gaukle nicht um meine Bahn! Deine Sterne sind gefallen, Und mich täuscht kein holder Wahn!

Dieser streckt nach einer Krone Seine Hand verwegen aus; Doch ihn stoßt der Tod mit Hohne In sein enges, kühles Haus.

Und ein Andrer hat errungen, Was der Erste nur gewollt; Hat die höchste Höh' erschwungen: Throne wanken, wenn er grollt.

Hoffnung! o warum entzündest Du sein Herz zum stolzen Plan, Da du schmeichelnd ihm verkündest Einen Welttheil unterthan?!

Ueber Völkern klirrt die Kette, Da sein Schritt nach Osten stürmt; Bang ruft eins dem andern: rette! Von der Schreckensmacht umthürmt.

Nun ergreift ihn sein Verhängniß, Reißt ihm Kron' und Purpur ab, Schleudert ihn ins Meergefängniß, Bald verschlingt ihn dort sein Grab. —

In der Nächte stiller Feier Hebt der heiligen Natur Kühn ein Forscher ihre Schleier, Und verfolget Gottes Spur.

Denn du lässest schön erglänzen Ihm ein Mahl der Ewigkeit, Enkel seine Gruft bekränzen; — Und ihn lohnt — Vergessenheit!

Nach der Liebe treuem Glücke Das er nirgends finden soll, Kehrt ein Andrer seine Blicke, Dir vertrauend, sehnsuchtsvoll.

Ach, sie liebt ihn, der Entglühte Hält sie wonnevoll umstrickt; Doch der Liebe zarte Blüthe Wird im Rausche bald zerknickt! —

All' dein Wort ist Windesfächeln; Hoffnung! dann nur trau' ich dir, Weisest du mit Trosteslächeln Mir des Todes Nachtrevier!

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