Skip to content
1802–1850

An der Bahre der Geliebten.

Nikolaus Lenau

Blaß und auf immer stumm, auf immer! liegst du Hingestreckt, o Geliebte, auf der Bahre! Deine Reize lockten den Tod, er kam, er Hält dich umarmet!

Einst in der Kühlung leiser Abendwinde Saßen wir am Gemurmel eines Baches, Und ich sprach aus zitternder Seele dir: „ich „liebe dich ewig!“

Aber du neigtest sinnend nach den Wellen, Nach den flüchtigen, tief dein schönes Antlitz, Wie ergriffen von dem Geflüster dunkler Stimmen der Zukunft.

Schmerzlich berührt von deinem Schweigen, frug ich, Ob vernommen das Wort du meiner Seele, Und du nicktest hold; doch es dünkte mir dein Nicken zu wenig. —

Glühende Thränen stürzen mir vom Auge, Und sie pochen an deine kalte Stirne, Ach, von der geflohen dahin das stille Sinnen der Liebe.

Meine gebrochne Stimme ruft dir bange. Nach: „ich liebe dich ewig!“ o wie selig Wär' ich nun, antwortete meinem Schmerz dein Leisestes Nicken!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
An der Bahre der Geliebten. · Nikolaus Lenau · Poetry Cove