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1841

Am Sarge eines Schwermütigen

Nikolaus Lenau

Er ist von uns gewichen, Er ist so früh verblichen, Laßt uns in tiefste Schatten Dies heiße Herz bestatten!

Wir singen manche Weisen, Wenn wir die Erd umkreisen, die bängste aller bangen Hat lauschend er empfangen.

Das Lied, das dumpf wir klagen, Wenn wir den Wildbach jagen, Und wenn wir Blitze flechten In schwülen Sommernächten.

Im Rufe tönts der Unken, Von dunkler Schwermut trunken, Und in den Widerhallen Bewegter Nachtigallen.

„Fahr wohl!“ nachruft es leise Dem Frühling auf die Reise; Wir hauchen es gelinde Durchs Haar dem toten Kinde.

Die Röslein all zerpflücken Und zu die Äuglein drücken Dem Lenz wir und dem Kleinen, Und niemand sieht uns weinen.

Wenn Wolf im Eise suchen Ihr Leben und verfluchen, Und wenn das Käuzlein grelle Aufstöhnt in seiner Zelle,

Wenn sich die Meereswellen Auftürmen und zerschellen, Im Sturm die Möwen zagen, Erhebt das Lied sein Klagen.

O Möwenschrei und Schwanken! O menschliche Gedanken Vom Leben ewger Dauer, Hört ihr des Liedes Trauer?! –

Doch sind die Stimmen alle Nur abgebrochne Halle, Ein ahnendes Besinnen Kaum auf des Lieds Beginnen.

Bei seinem vollen Klange, Ach, würde uns zu bange, Wir stünden schmerzlich träumend, Das Erdenwerk versäumend.

Dies Herz hat es vernommen Und sang es fort beklommen; Dies Herz hat ausgesungen Das Lied und ist gesprungen.

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