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1802–1850

3.

Nikolaus Lenau

Er hat geliebt! — vor langer, trüber Zeit, Da ging er einst, ein fröhlicher Geselle, Mit seinem Lieb durch diese Einsamkeit, Und kam mit ihr zur stillen Waldkapelle.

Sie traten ein, sie knieten hin; da glomm Durch's Fenster hell herein die Abendröthe, Er betete mit ihr so selig fromm, Und draußen sang des Hirten weiche Flöte.

Da hob die Hand sie schnell und feierlich, Und sprach, so schien's, mit tiefbewegter Stimme: „lieb ich nicht warm, und treu, und ewig dich, „so strafe mich der Herr mit seinem Grimme!“

Und höher glomm der helle Abendstrahl, So wie sein Herz, sich ewig ihr zu weihen, Und draußen klang im stillen Waldesthal Des Hirten Lied wie Himmelsmelodeien. —

Wie bald, wie bald, daß ihn ihr Herz vergißt! Daß ihr ein Andrer schon des falschen Eides Das lezte Wort von falscher Lippe küßt, Sie mit dem Glanze schmückt des Brautgeschmeides!

Und all' ihr Leben, Freudentaumel nur, Den noch kein flüchtig Leid ihr jemals störte, Zieht, unverfolgt von ihrem falschen Schwur, Und frech am Gott vorüber, der ihn hörte. —

Das war's, o Schicksal, was der Mensch gethan, Daß mit des Wahnsinns bangen Finsternissen Du ihm verschüttet hast die Lebensbahn, Aus seiner Seele seinen Gott gerissen!

D'rum flucht er nun empor mit wildem Spott, Gequält von seinem Schmerz, an jener Stelle, Wo er so selig einst gekniet vor Gott; D'rum irrt er, wie gebannt, um die Kapelle.

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