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1891

Treu bis in den Tod

Hedwig Lachmann

Sie diente ihm getreu beflissen Als Weib und Magd an fünfzig Jahr. Sie schob ihm zu die besten Bissen, Nahm seine kleinsten Wünsche wahr.

Sie hat zehn Kinder ihm geboren Und hielt sie seinem Unmut fern. Sie hat sich ganz in ihn verloren Und ihm gehorcht als ihrem Herrn.

Nun starb er ihr. Noch lebenskräftig Bleibt sie zurück verwaist und fremd. Zum letztenmal für ihn geschäftig, Bereitet sie sein Totenhemd.

Mit ihren Fingern welk und hager Wäscht sie den kalten starren Leib Und dient ihm an dem stillen Lager Zum letztenmal als Magd und Weib.

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