Skip to content
1891

Die Pflicht

Hedwig Lachmann

Von einer Stimme eignem Klang getroffen Erbebte ich – zu lang getragne Leiden, Verjährter Gram, verzagtes Sichbescheiden, Und scheue Armut, die nicht wagt zu hoffen.

So dringen täglich dir zahllose Zeichen An Herz und Sinn, dich tiefer zu bewegen, Und fremdes Leben pocht mit heissen Schlägen, Den Pulsschlag deines Lebens zu erreichen.

Trägst du schon schwer am eigenen Geschicke? Und sollst dazu ein Bruderlos noch tragen – Die stummen Winke, die versteckten Klagen, Das trübe Lächeln, die verstörten Blicke.

Die Not der Tausende, die dich umgeben, Und was verloren irrt verlassne Bahnen, Will sich mit dir verbrüdern, will dich mahnen, Will Blutteil werden, Teil von deinem Leben.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Pflicht · Hedwig Lachmann · Poetry Cove